Imperfect Flower

Just for the two of us


    エブはタスケテーと言います

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    Maririn

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    エブはタスケテーと言います

    Beitrag von Maririn am Mo 12 Nov 2018, 15:10

    "Das ist eure Hausaufgabe. Bitte gebt sie mir Freitag ab. Ihr bekommt sie danach wieder.", beendete Eve ihren Unterricht.
    Die Highschoolschüler/-innen hörten ihr allerdings schon gar nicht mehr so genau zu.
    Es hatte gerade zur Pause geklingelt.
    Leise seufzte sie und packte langsam ihre Tasche zusammen.
    Allein blieb sie zurück.
    In einer japanischen Schule zu arbeiten war bestimmt genauso anstrengend wie in einer deutschen.
    Aber hier waren die Schüler deutlich freundlicher.
    Egal ob sie den Lehrer mochten oder nicht.
    Sie kam aber gut an, oder?
    Eve schreckte aus ihren Gedanken auf, als ER wieder einmal im Türrahmen stand.
    "Tsukiyama-san... was kann ich für Sie tun?"
    "Aber, aber Mademoiselle~. Ich möchte mit Ihnen die Pause verbringen."
    Das machte der Typ immer so.
    Er war ihr wirklich aufdringlich. Warum konnte sie nicht einfach unhöflich sein?
    Vielleicht weil er einfach zu freundlich zu ihr war.
    Und er durfte sich schon was auf sich einbilden.
    Hatte Geld und eine reiche Familie.
    War sicherlich irgendwo gutaussehend... oder so.
    Die Rothaarige seufzte: "Geben Sie je auf?"
    "Jamais! (Niemals!)"
    "...", französisch war nicht gerade ihre Stärke, daher ignorierte sie ihn auch sehr oft.
    "10 Minuten. Den Rest der Pause hab ich noch was zu erledigen."
    Damit gab sich der Mann offenbar zufrieden.
    "Très bien!"
    Sie ging einfach an ihm vorbei.
    Er folgte ihr mit großen Schritten.
    Und schon ging das Getuschel auf dem Flur los.
    "Weiss-sensei und Tsukiyama-sensei wären ein schönes Paar oder?"
    "Meinst du? Tsukiyama-sensei ist schräg."
    "Aber doch ein Prinz."
    "Hihi~ Weiss-sensei wäre eine niedliche Prinzessin."
    "...", Eve versuchte nicht hinzuhören.
    Ihren Begleiter schien das allerdings zu bestärken in dem, was er tat.
    "Wollen wir ihren Wünschen nicht gerecht werden, Weiss-chan?"
    "Ganz sicher nicht!", sprach sie laut aus und sah ihn dann erschrocken an.
    Er sie genauso.
    "E-entschuldigung.", fiepte sie.

    Im Lehrerzimmer:
    "Sagen Sie, haben Sie heute Nachmittag etwas vor?"
    "Ja.", 0,05 Sekunden.
    Tsukiyama stockte kurz.
    Die Antwort war ihm zu schnell um die Ohren geflogen.
    "Quel dommage! (Wie schade!)"
    "Tsukiyama-san..."
    "Eh?"
    "Würden Sie das bitte lassen? Ich verstehe kein französisch..."
    Beschämt legte er sich eine Hand ins Gesicht.
    "Entschuldigen Sie. Wie unhöflich von mir."
    "Als würden Sie mich verstehen, wenn ich nun deutsch sprechen würde.", leicht lächelte sie.
    Triumphierend setzte er sich aufrecht hin: "Natürlich!"
    Sie hob eine Augenbraue.
    "Ich habe Verwandschaft in Deutschland. Da ist es Pflicht, diese Sprache zu beherrschen."
    "... ist das so?"
    Begeistert lächelte er.
    Hatte er damit ihr Interesse geweckt?
    Doch aß sie nur desinteressiert ihr Mittagessen.
    Das brach ihm das Herz.
    Aber davon ließ er sich nicht unterkriegen.
    Daher begann er deutsch zu sprechen.
    "Würden Sie dann vielleicht am Wochenende mit mir ausgehen?"
    Eve hörte auf zu Kauen und sah ihn einfach nur an.
    Was für ein schrecklicher Akzent...
    Was hatte er gesagt?
    Sie kaute weiter und schluckte runter.
    "Entschuldigung?"
    Tsukiyama verzweifelte etwas.
    "Na... dieses Wochenende, würden Sie mit mir ausgehen wollen?"
    "Nein.", ohne zu zögern.
    Traurig sah er sie an.
    Wagte aber auch nicht nach dem 'Warum' zu fragen.
    Eve allerdings ertrug diesen leidenden Blick nicht.
    Sie war einfach zu nett.
    "...wo... wollen Sie denn hin?"
    Irritiert sah Tsukiyama auf: "Pardon?"
    "...ich geh mit Ihnen aus, wenn sie mir einen guten Vorschlag machen, was wir unternehmen."
    Dieser Bedingung war er bereit nachzukommen.
    "Ich werde mir was überlegen, Mademoiselle~"
    (Ouuh Gott! Was hab ich getan?!), fluchte Eve in Gedanken.

    Nach der Schule folgte er ihr.
    Angeblich musste er zum Kombini.
    Doch bevor sie dort vorbeikamen ruhte ihr Blick auf den Schriftzügen eines Piercing-Studios.
    "..."
    Während Tsukiyama auf sie einredete änderte sie ihre Richtung.
    Vollkommen überrascht, dass sie plötzlich nicht mehr neben ihm war hörte er auf zu reden.
    Suchte sie und sah sie gerade in dem Laden verschwinden.
    "Hach... diese Frau~", kicherte er.
    Ließ die aber ziehen und ging weiter.

    "Guten Tag.", sagte sie in den Laden.
    Aus einem Hinterzimmer schaute ein junger Mann raus und kam dann zum Thresen.
    "Ah! Guten Tag! Was kann ich für Sie tun?"
    Eve's Herz setzt leicht aus.
    Sein Erscheinungsbild machte sie doch etwas nervös.
    Ein gepiercter, tattoowierter, schwarzhaariger Mann stand da vor ihr.
    Sein Blick eher 'gelangweilt' oder 'müde'.
    Und... seine Stimme war so angenehm und ruhig.
    "Eh, ich... hätte gern ein Piercing am Ohr.", fiepte sie fast.
    Den Wunsch hatte sie schon länger und den Entschluss längst gefasst.
    Es hatte nur der richtige Laden gefehlt.
    Und dieser Kerl sah... eigentlich gar nicht seriös aus!!!!!
    Ohne ein Gesicht zu ziehen zog er 3 Seiten auf einem Klemmbrett hervor und legte einen Stift drauf.
    "Bitte lesen Sie sich das genau durch und füllen Sie alles aus.", bat er sie.
    Na wenn das mal gut ging.
    "...", ob sie ihn fragen durfte, wenn sie was nicht lesen konnte?

    Total aufgeregt stand Uta da.
    Diese Frau war einfach nur in den Laden gekommen und hatte gesagt was sie wollte.
    Aber es reichte um in ihm irgendwas zu regen.
    Alleine wie überfordert sie mit den formellen Papieren zu sein schien, war schon süß.
    Ihre Gestalt sprach ihn an. So kurvig und so weiße Haut.
    Dieses fluffige Haar und dazu diese hellen Augen.
    Ganz lässig blieb er am Thresen stehen.
    Tippte aber doch nervös mit den Fingern auf die oberste Platte.
    Wie sie wohl hieß? Wie alt sie war?
    "Entschuldigen Sie, wie liest man das?", fragte sie dann und kam nochmal zu ihm.
    Er beugte sich über das Blatt und dachte kurz nach.
    Das Wort sagte ihr nichts, als er es aussprach.
    "Können Sie Englisch?", fragte er daher.
    Mit den Fingern zeigte sie 'ein bisschen'.
    Aber mit dem englischen Begriff konnte er ihr weiterhelfen.
    Mit verschränkten Armen lehnte er sich auf den Thresen.
    Betrachtete sie eindringlicher.
    Ihr Duft war süß, ein bisschen nach Zimt und ihre Stimme so weich.
    Wie er wohl ihr Interesse gewinnen konnte?
    "..."
    Warum wollte er das so dringend?
    Erst vor 1 Monat hatte eine Frau ihn abserviert.
    Aber er konnte einfach nicht aufgeben.
    Das Leben musste weitergehen.
    Und diese Frau... war anders.
    Bisher hatte er eine klare Vorstellung gehabt, wie eine Frau sein musste, damit er den Verstand verlor.
    Sie entsprach all dem überhaupt nicht.
    Tief atmete er durch.
    Nichts überstürzen.

    Eve fülle alles aus und unterschrieb.
    "Bitte sehr.", kam wieder zu ihm und reichte es ihm.
    Seine dunklen Augen überflogen die Seiten kurz.
    Das machte sie ganz nervös, aber so hatte sie die Chance ihn ein wenig genauer anzusehen.
    Schwarze Fingernägel, tättoowierte Finger und Hände.
    Den Arm rauf, verschwindend unter seinen ärmeln.
    Am Hals zierliche Schriftzüge in einer Sprache, die sie nicht verstand, aber die definitiv nicht japanisch waren.
    Ein Piercing an der Unterlippe, versetzt nach links.
    An der rechten Augenbraue ebenfalls eins.
    Und an den Ohren je mehr als 4 Stück.
    Plötzlich sah er auf und ihre Blicke trafen seine.
    Sofort wandt sie den Blick auf die Papiere.

    "...", sie hatte ihn betrachtet, oder?
    Ihren Blick hatte er jedenfalls gespürt.
    "Zuerst einmal: Mein Name ist Uta.", er nickte nur kurz.
    Sie verbeugte sich richtig: "Ich bin Eve."
    Er lächelte fast unbemerkt.
    "Folg mir bitte.", sagte er ruhig und ging mit ihr in eins der Zimmer.
    Bereitete im Vorbeigehen die Liege vor und desinfizierte alles und seine Hände.
    "Setz dich ruhig schonmal."
    Zog sich dann noch Handschuhe über.
    Mundschutz ebenfalls.

    Jetzt wurde Eve doch nervös.
    Setzte sich auf die Mitte der Liege.
    Folgte seiner Handlung.
    Letztlich blieb er vor ihr stehen.
    "An welchem Ohr?"
    "Dieses...", sie deutete auf ihr linkes Ohr.
    Er schob ihr Haar beiseite und drehte ihren Kopf etwas.
    "Ein schönes Ohr."
    "Eh...danke.", antwortete sie beschämt.
    "Wo genau?", fragte er weiter.
    "Ich... dachte eher weiter oben. Erstmal nur eins.
    Ehm... je nachdem würde ich noch ein zweites darunter haben wollen.", gab sie zu.
    Sie hörte, wie er lächelte.
    "Hehe! So hab ich angefangen.', gab er zu.
    "Dann ist es ein wenig ausgeartet."
    Ein Schmunzeln huschte über ihre Lippen.
    "Sieht aber gut aus.", rutschte ihr raus.
    Er hielt Inne und fuhr dann fort.
    "Ich werde eben eine Markierung setzen und sie dir zeigen.
    Wenn du damit einverstanden bist, werde ich dort ein Loch stechen.
    Aber zuerst:", er holte eine Packung mit viiiielen verschiedenen Piercingteilen hervor.
    "Darfst du dir aussuchen, was ich einsetze."

    Uta beriet sie ein wenig und schilderte seine Vorstellungen.
    Sie ihre.
    Irgendwo trafen ihre Meinungen aufeinander.
    "Gut, dann bereite ich diesen Stecker eben vor und markier dich dann."
    ... etwas unglücklich ausgedrückt.
    Aber er war viel zu schnell aus dem Raum um ihre Reaktion zu sehen.
    Schade eigentlich.

    Jetzt schwirrte ihr etwas der Kopf.
    Was... sagte er da?
    Irgendwie bekam sie ganz komische Gedanken.
    Blöder Uta.
    Bald schon war er wieder da.
    Sie hatte sich von seinen komischen Worten erholt.
    Mit einem Stift kam er zu ihr.
    "Jetzt musst du Stillhalten."
    Nach einem zustimmenden Geräusch setzte er die Markierung und reichte ihr einen Handspiegel.
    "Gut so?", fragte er nach.
    "Etwas Höher.", bat sie.
    Er folgte ihrer Anweisung.
    "Höher würde ich in dem Fall aber auch nicht gehen."
    Nochmal warf sie einen Blick drauf und lächelte.
    "Da ist es gut."
    Uta nickte: "Dann kommen wir nun zum Pieks."
    Aus dem Augenwinkel nahm er wahr wie sie zusammenzuckte.
    "Nicht gut?"
    "Hab n bisschen... Angst.", gab sie zu.
    Seine Augen sahen sie Gleichgültig an, aber er lächelte unter dieser Schutzmaske.
    Er verriet sich, als er sprach: "Tut nur kurz weh. Danach ist es schon vorbei."
    Näher kam er zu ihr: "Leg dich mal hin."
    Sie kam seiner Aufforderung nach.
    Ihre Nervosität stieg.
    Ob es nun an ihm lag, oder an dem was gleich passierte konnte sie selbst nicht genau sagen.
    "Es wird kurz kalt.", hauchte er in ihr linkes Ohr und sprühte es ein.
    "Ich muss die Stelle etwas desinfizieren, damit sich das nicht entzündet.", erklärte er.
    "O-okay.", stammelte sie.
    "Nervös?"
    "J-ja, etwas...", sie kicherte.
    "Ist mit einem Pieks beim Arzt vergleichbar."
    "DAS beruhigt mich nicht!", fiepte sie.
    Er schmunzelte: "Magst du den Arzt nicht?"
    "Spritzen."
    "Wer mag die schon.", kommentierte er.
    Es klackerte und knisterte.
    Uta riss verschiedene Packungen auf und zog letztlich eine feine Nadel.
    "Wie alt bist du?", fragte er um sie abzulenken.
    "26.", antwortete sie.
    "Wo kommst du her?"
    "Deutschland ursprünglich."
    "Oh, das ist aber weit weg. Tief einatmen."
    Sie folgte dieser Aufforderung sofort.
    Es piekste stark an ihrem Ohr: "Ah!", keuchte sie.
    Er kicherte: "Schon vorbei. Ziept nur etwas, während ich den Stecker einsetze.", beruhigte er sie.
    Eve atmete aufgeregt.
    "Was arbeitest du?", fragte er weiter.
    "Ich... bin Deutschlehrerin an einer Highschool. Dieses Jahr kamen ziemlich viele Schüler zusammen."
    "Wollen die alle mal nach Deutschland fliegen?", fragte er neugierig und setzte den Stecker ein.
    "A-ahh...ja, gut möglich."
    "Das würde ich gern öfters hören.", murmelte er.
    "Um?", fragend sah sie ihn im Augenwinkel an.
    "Nichts.", hauchte er.
    "So, fertig."
    Erleichtert atmete sie auf.
    Wieder reichte er ihr den Spiegel.
    "Waahh~ das sieht toll aus!", lobte sie ihn.
    Den Mundschutz nahm er ab und lächelte sanft.
    "Freut mich. Darum musst du dich jetzt gut kümmern und sauber halten."
    Kurz zählte er ihr auf, was sie tun musste und was sie lieber vermeiden sollte.
    Am Thresen rechnete er kurz mit ihr ab und reichte ihr noch ein Fläschchen zur Desinfektion.
    "Du solltest in 2 Wochen nochmal vorbeischauen.
    Dann guck ich mir an, ob es auch keine Schwierigkeiten gibt."
    Eve nickte: "Okay."
    "Heute in 2 Wochen? Selbe Uhrzeit?"
    "Ja, klingt gut.", erfreut grinste sie.
    Der Schwarzhaarige schrieb sich den Termin im Kalender auf.
    Blickte auf und sah sie noch mal genau an.
    "Gut, Eve. Dann, bis in 2 Wochen."
    "Vielen Dank, Uta."
    Dann verließ sie seinen Laden.
    Mit einem noch leicht wehtuendem Ohr.
    Aber einem unglaublichen Gefühl im Bauch.
    終わり

      Aktuelles Datum und Uhrzeit: Sa 15 Dez 2018, 17:05